Objekt des Monats

August 2020

Pieter Francis Peters: Schlösschen Serach vom Kirschenbuckel aus
Öl auf Leinwand
1845
(Stadtmuseum im Gelben Haus STME 000724)

Ansicht des Schlösschen Serach vom Kirschenbuckel aus.
Fotografie: Daniela Wolf

Das heute von der Stadtentwicklung längst eingeholte, nördlich des einstigen Seracher Ortszentrums am oberen Ostrand des Geiselbachtales liegende Gebäude, war, als es 1820 erbaut wurde, allein auf weiter Flur. 1828 wurde es von Graf Alexander von Württemberg (1801-1844) als Landsitz erworben, der ansonsten standesgemäß im oberen Palmschen Palais, dem heutigen Neuen Rathaus in Esslingen, wohnte. Der Graf nahm bereits 1832 seinen Abschied als Oberstleutnant des in Esslingen stationierten 3. Württembergischen Reiterregiments. Danach war das eher an ein luxuriöses Landhaus erinnernde Schlösschen für ein Jahrzehnt bis zu Krankheit und frühem Tod des auffallenden, attraktiven, „tollen Grafen“ Alexander 1844 ein Treffpunkt der romantischen deutschen Literaten.

Frei von Konventionen und standesgemäßem Verhaltenskodex ging man zwanglos miteinander um, feierte, las sich wechselseitig neue Werke vor, musizierte oder ritt in wilder Jagd querfeldein und durch die Wälder des Schurwaldes. Der Freundschaftsbund des Seracher Dichterkreises umfasste um den ebenfalls literarisch aktiven Grafen Alexander herum neben anderen Ludwig Uhland, Gustav Schwab, Justinus Kerner, Karl Mayer, Emma Niendorf, Hermann Kurz und nicht zuletzt den Busenfreund Alexanders, den am Weltschmerz leidenden, wegen seiner ungarischen Herkunft „Miklos“ genannten Nikolaus Lenau.

Graf Alexander war schon tot, als der niederländische Maler Peters 1845 nach Stuttgart zog und mit diesem Bild den Ausblick aus dem romantischen Idyll auf die präzise wiedergegebene Silhouette der Schwäbischen Alb feierte. Dazu stellte sich Peters auf den nördlich gelegenen, heute ebenfalls ziemlich zugewachsenen Kirschenbuckel und konnte so das Schlösschen samt seiner Aussicht darstellen. Die beiden Damen und der Herr auf der Terrasse, mit denen wir den Ausblick genießen, stehen vor der efeubewachsenen hohen talseitigen Giebelwand des in den Hang hineingebauten Schlösschens, das man vom hangaufwärts verlaufenden Schlösslesweg ebenerdig direkt in der Beletage im ersten Stock betritt.

Das Gärtnerhaus mit vorgebautem Gewächshaus links wurde noch zu Lebzeiten von Graf Alexander 1843 erbaut und gehört nicht zu den erst in den 1850er Jahren nach dem Tod des Grafen im Schweizerhausstil errichteten Nebengebäuden. Man erkennt die überaus naturnah gestalteten Garten- und Parkanlagen des Schlösschens, auf dessen Terrasse es sich mit einem heute längst zugewachsenen Blick durch das Geiselbachtal und über die Beutau und Frauenkirche auf die blaue Wand der Schwäbischen Alb trefflich feiern, trinken und deklamieren ließ.

Der Maler Pieter Francis Peters (1818-1903) war zeitlebens bekannt für die dichte Atmosphäre seiner stimmungsvollen Landschaftsbilder, die er vor allem im württembergischen und alpenländischen Raum schuf. Auch hier sehen wir weniger eine Architekturdarstellung, obwohl das Schlösschen mit allen Details inklusive modernen Blitzableitern und rauchendem Kamin ausgeführt ist. Der dichte und schattige Wald links und im Vordergrund, lenkt unseren Blick unterstützt durch die Orientierung des Schlösschens auf seine Aussicht hin. Wir schauen vom Dunkel ins helle Sommerlicht und einen Schönwettertag, dessen warme und trockene Stimmung man körperlich zu spüren meint. Das Licht des herrlichen Himmels, der fast das halbe Bild einnimmt, zieht das Augenmerk magnetisch tief ins Bild und die Landschaft hinein. Der begeisternde Blick das im Schatten liegende Geiselbachtal hinab über die Auen des Neckartals und die Filderhöhen auf das in blauer Ferne daliegende Plateau der Schwäbischen Alb ist wie ein Loblied des romantischen Seracher Kreises auf die umgebende Natur.

„Singe, wem Gesang gegeben,
In dem deutschen Dichterwald!
Das ist Freude, das ist Leben,
wenns von allen Zweigen schallt.“
(Ludwig Uhland)


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Wechselausstellungen

Viele Teile, eine Stadt! Gemeinsam Stadt(teil)geschichten entdecken

Plakat des Projektes "Viele Teile, eine Stadt" mit einem schematischen Stadtplan mit eingezeichneten Stadtteilen

Ausstellung im Stadtmuseum im Gelben Haus
16. Mai bis 11. Oktober 2020

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Streng geheim! Detektive, Geheimagenten & Spione

Plakat der Ausstellung

Ausstellung im Museum im Schwörhaus - Wechselausstellungen J. F. Schreiber-Museum
28. Mai bis 11. Oktober 2020

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Das Stadtmuseum im Gelben Haus und die Mitmach-Ausstellung „Streng geheim!“ im Museum im Schwörhaus sind geöffnet.
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