Objekt des Monats

März 2021

„Spätzle-Max“
Kunststoff, Metall
Firma Julius Glass KG, Esslingen-Berkheim
1970er Jahre

(Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 004835)

Spätzle-Max, Orangenes Küchengerät zum Spätzleschaben der Firma Julius Glass KG
Fotografie: Michael Saile

Auch wenn die Esslinger Firmenwelten des 20. Jahrhunderts nicht unbedingt für die Herstellung von Haushaltsgeräten bekannt waren, gab es in der Stadt nach 1945 doch einige Firmen auf diesem Gebiet, die seinerzeit wohl bekannt waren. Beispielsweise stellte die Firma Paul KG in Mettingen und später in Zell unter dem Markennamen „MIXI“ Küchenmaschinen für den Haushalt her. Auch einen Hersteller von elektrischen Kaffeemühlen gab es in der Stadt: die Metallwarenfabrik Brenner & Nähter KG in der Schelztorstraße 33 produzierte diese Haushaltshelfer unter dem Namen „Südstahl“.
Im zeitgemäßen, topmodernen Orange der 1970er Jahre präsentiert sich der vorgestellte Küchenhelfer zur Herstellung handgeschabter Spätzle des Berkheimer Herstellers Julius Glass. Mit seiner Hilfe konnten auch ungeübte Köche diese schwäbische Spezialität selbst herstellen. Denn nicht mehr mit Hilfe des Spätzlesbrettes und eines Messers, sondern dank eines ausgeklügelten Mechanismus wurden die Spätzle in das heiße Wasser befördert.
In ihrer beigelegten Gebrauchsanleitung richtete sich die Firma Glass ausdrücklich an Köchinnen und forderte darin die glücklichen Besitzerinnen auf, die Anleitung genau zu studieren, um die Besonderheiten des Gerätes kennen zu lernen.
So stand am Anfang ein Teigrezept. Da es sich allerdings beim „Spätzle-Max“ nicht um eine Presse, sondern um eine Maschine zum Schaben von Spätzle handele, wies man darauf hin, dass der Teig für diese Herstellungsmethode eine weniger feste Konsistenz benötige. Der (übrigens auch für handgeschabte Spätzle) in der Konsistenz etwas dünnere Teig war nämlich notwendig, weil er sich sonst nicht gut mit dem Gerät verarbeiten ließ.
War der Teig hergestellt, musste er in die Aufnahme des „Spätzle-Max“ gefüllt werden. Danach setzte ihn der Koch/die Köchin auf den Rand des Topfes auf und musste nur noch „den Handgriff vor- und zurückbewegen.“ Schon waren die Spätzle fast fertig!
Ebenso einfach war es, die Dicke der so geschabten Spätzle zu beeinflussen. Hielt man das Gerät waagrecht, entstanden dünne Exemplare, je steiler es gehalten wurde, desto dicker wurden die Spätzle, da mehr Teigmasse nachlaufen konnte. Um zu gewährleisten, dass dies alles gut funktionierte, musste die Schneidkante allerdings in das Wasser eingetaucht werden, da sich sonst der Teig nicht vom Schaber löste.
Die Firma Julius Glass KG existierte fast 70 Jahre. Ihr Geschäftsfeld war die Entwicklung, Herstellung und der Vertrieb von Haushalts- und Küchenmaschinen. Die Firmengeschichte begann laut dem Eintrag in das Handelsregister am 8. November 1919 in Cannstatt. Der Stuttgarter Kaufmann Julius Glass (1872-1946) hatte kurz zuvor in der Cannstatter Straße 68 in Obertürkheim mit fünf Mitarbeitern die Herstellung von Haushaltsmaschinen aufgenommen.
Während der Weltwirtschaftskrise der frühen 1930er Jahre stellte Julius Glass aufgrund fehlender Aufträge vorübergehend die Produktion ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte der Firmeninhaber, der Firmensitz befand sich nun bis 1955 in Stuttgart-Rohracker.
Am 31. März 1955 wurde die Firma in Stuttgart abgemeldet, da sie ihren Firmensitz nach Berkheim verlegt hatte. Dort wurde sie 1961 als „Fertigungsbetrieb“ verzeichnet. Neben dem Maschinenbau gehörte nun anscheinend auch die Herstellung von Gußformen zu ihrem Arbeitsbereich. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie abermals einen neuen Besitzer. In den Adressbüchern von 1969/70 wird sie als Hersteller von Großküchenbedarf geführt.
Spätestens jetzt war der Firmensitz in der Jakobstraße 50 in Berkheim. Im Heimatbuch „Berkheim“ von 1982 wird sie jedoch nicht mehr als aktive Firma geführt. Ende September 1987 stellte sie ihre Handelstätigkeit offiziell ein. Die Löschung aus dem Handelsregister erfolgte dann am 6. April 1988. Zuvor hatte sie ihren Firmensitz nach Backnang verlegt, wo es noch heute eine Maschinenbaufirma unter dem Namen des seinerzeitigen Inhabers gibt.


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