Objekt des Monats

Dezember 2019

Walther Schulte v. Brühl (Text), Wilhelm Nagel (Musik):
Weihnachtsgesang für Frauen- oder Schülerchor, Op. 5.2
Verlag Sulze & Galler, Stuttgart
1899
(Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 005540)

Notenheft des Stückes "Weihnachtsgesang". Auf dem Deckblatt ist neben dem Titel eine Weihnachtsmann mit Geschenken und Tannenbaum zu sehen. Das zweite Blatt zeigt den Notentext.

Auf dem Titelblatt des Notenheftes betritt im dichten Schneegestöber der mit Geschenken beladene und einen geschmückten Weihnachtsbaum tragende Weihnachtsmann die Szene. Im Innern befinden sich die Einzelstimmen und eine Partitur des dreistimmigen Chorstückes. Sein Text befasst sich mit der besonderen Stimmung der Weihnachtszeit: es geht darin um den weihevollen Klang der Glocke in der Nacht, die den winterlichen Frieden auf Erden begleitet und die Geburt des Heilands und die damit verbundene Freude verkündet. Handelt es sich womöglich um die Antwort seiner Verfasser auf das weltbekannte „Stille Nacht, heilige Nacht“?
Komponiert und verfasst haben es der Esslinger Komponist Wilhelm Nagel (1871-1955) und der Journalist und Dichter Walther Schulte vom Brühl. Hinter diesem Pseudonym verbarg sich Walther Schulte-Heuthaus (1858-1921). Er war Hauslehrer in Zürich, beschäftigte sich mit kunsthistorischen und literarischen Studien und lebte von 1878 bis 1884 als Maler in Weimar. Danach arbeitete er als Redakteur in Bad Sulza, München und Zürich. Von 1886 bis 1889 war er Redakteur einer Unterhaltungsbeilage des Frankfurter Journals. Bis 1914 lebte Schulte vom Brühl in Wiesbaden, wo er ebenfalls als Journalist tätig war. Später wirkte er bis zu seinem Tod als freier Schriftsteller in Neckarsteinach. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Kinderbücher, Gedichte, Versepen und Theaterstücke.  Wilhelm Nagel studierte zunächst im Esslinger Lehrerseminar bei dem Komponisten und Musiker Christian Fink (1831-1911), der von 1872 bis zu seinem Tod im heutigen Stadtmuseum im Gelben Haus lebte, wie eine Gedenkplakette an der Außenseite des Gebäudedteils Hafenmarkt 7 verrät. Seit 1894 war Wilhelm Nagel Seminarhilfsmusiklehrer und studierte parallel dazu am Konservatorium in Stuttgart, später auch in Berlin. Von 1905 bis 1945 war er Seminarmusiklehrer im Esslinger Lehrerseminar. Seit 1915 war er gleichzeitig Organist und Chordirektor an der Stadtkirche St. Dionys. Nagel war einer der führenden württembergischen Chorleiter, Bundes-Chormeister des Schwäbischen Sängerbundes und Komponist zahlreicher Lieder, weltlicher und geistlicher Chorwerke.  Das ausgestellte Exemplar wurde im November 1899 an den Stiftsorganisten Heinrich Lang (1858-1911) gesandt, wie eine handschriftliche Widmung des Komponisten verrät. Lang hatte ebenfalls im Esslinger Lehrerseminar bei Christian Fink gelernt. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer studierte er am Stuttgarter Konservatorium. Von 1894 an war er Stiftsmusikdirektor an der Stuttgarter Stiftskirche, 1898 erhielt er einen Lehrauftrag am Konservatorium, wo er 1900 zum Professor ernannt wurde. Die Bekanntschaft entstand vermutlich durch die gemeinsame Ausbildung am Lehrerseminar und Konservatorium.  Das Chorwerk ist „der Seminarübungsschule in Esslingen“ gewidmet. Das Lehrerseminar wurde am 20. Mai 1811 an der Stelle des heutigen Behördenzentrums als das erste „Schullehrerseminar“ in Württemberg gegründet. Damit war die Ausbildung der Lehrer im 1806 gegründeten Königreich auf ganz neue Grundlagen gestellt. Hier erhielten die Seminaristen ihre theoretische Ausbildung in 40 bis 50 Wochenstunden in den zu unterrichtenden Fächern, die sich von Religion über Deutsch, Mathematik, die „Realien“ (Naturkunde, Erdkunde, Geschichte), Pädagogik, Methodik, Zeichnen bis hin zu Katechetik und Musik erstreckten. Praktische Erfahrungen sammelten sie in der im Erdgeschoss des Seminars eingerichteten „Musterschule“, die 1868 zur „Seminarübungsschule“ umgewandelt wurde. Hier erhielten die Seminaristen jetzt nicht mehr nur Einblick in die Arbeit eines Lehrers, sondern unternahmen in der dreiklassigen Schule ihre ersten eigenen Unterrichtsversuche. Den Esslinger Bürgern war diese Einrichtung allerdings zunächst nicht ganz geheuer. Doch führte die Aussicht auf Unterricht durch besonders geeignete Pädagogen und die hochmotivierten Seminaristen nahm die Zahl der Anmeldungen so zu, dass sie bald eine Auswahl unter den sich Bewerbenden treffen konnte.


Info

Wechselausstellungen

Mechanische Tierwelt

Plakat der Ausstellung "Mechanische Tierwelt" mit einem Foto eines alten Blechspielzeugs, einem Affen

1. Dezember 2019 - 1. März 2020  Stadtmuseum im Gelben Haus
 

Viele Teile, eine Stadt! Gemeinsam Stadt(teil)geschichten entdecken

Plakat des Projektes "Viele Teile, eine Stadt" mit einem schematischen Stadtplan mit eingezeichneten Stadtteilen

Informationen zum Projekt finden Sie hier

Hilfreiche Seiten

52x-Archiv 1.035