Objekt des Monats

Dezember 2020

Funkturm für die Modellbahnanlage
Kunststoff, Massstab 1:87, Höhe 69cm
Firma Eheim Elektrospielwaren Esslingen
1950er Jahre
 
(Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 006044)

Funkturm mit Blinklicht der Firma Eheim für die Modellbahnanlage aus den 1950er Jahren
Fotografie: Michael Saile

Ein Hingucker auf jeder Modellbahnanlage oder Herzenswunsch der Modelleisenbahner nicht nur zur Weihnachtszeit war er sicherlich: der Funkturm im Maßstab HO mit teilweise funktionsfähigem Aufzug des Esslinger Modellbahnzubehörherstellers Eheim.

Das „Turmcafe“, die Betriebsstation und der elektrische Aufzug sind beleuchtet, ein rotes „Flugzeug-Warnlicht“ unterhalb der Antenne blinkt nach allen vier Seiten. Technische Perfektion im Stil der Zeit vermittelt auch das „Stahlgittergerüst“ des Turmes. Dank der eleganten und luftigen „Linienführung wirkt er leicht und doch wieder durch seine Größe imposant, so recht als Krönung einer jeden Modellanlage“ (Firmenprospekt von 1958). Zusammenbauen musste es der Modellbauer aus einzelnen Plastikgußteilen selbst. Ein solcher Bausatz befindet sich ebenfalls in der Sammlung des Stadtmuseums - natürlich unbenutzt.

Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde das Funkturm-Modell erstmals anlässlich der Nürnberger Spielwarenmesse 1955 in einer Fachzeitschrift. Darin hieß es: „ Nicht minder attraktiv ist ein Funkturm mit Blinklicht an der Spitze und einem beleuchteten und bewegten Aufzug im Inneren des Mastes. Dieser Funkturm kann sowohl mit als auch ohne Aufzug geliefert werden (der Aufzug lässt sich später noch einbauen).“ 

1956 kam eine verbesserte Version mit „ Blinklicht und Fernsehantenne“ zur noch naturgetreueren Anmutung des Turmes hinzu; als Fertigmodell (komplett mit Aufzug und Blinklicht wie das gezeigte Exemplar) war der Turm dann von 1958 zu haben. Er kostete damals den stolzen Preis von 45.50 DM. Ohne den Aufzug belief sich der Preis für das fertige Modell auf 25 DM, den Bausatz zum selber bauen gab es dagegen schon für 14,70 DM zu erwerben.

1949 gründete der Ingenieur Gunther Eheim (1919-2013) eine Firma zur „Reparatur und Herstellung technischer Spielwaren“ in der Mittleren Beutau 42. Zu ihrem Sortiment gehörten maßstabsgetreue Zubehörartikel für Modelleisenbahnen. Dies waren neben den berühmten „Seuthe-Dampferzeugern“ für einen realistischen „Dampfbetrieb“ von HO-Lokomotiven und einer Miniatur-Seilbahn vor allem der dem Esslinger Original nachempfundene Trolley-Bus mit Oberleitungssystem, aber auch der vorgestellte Funkturm. Mit ihrer Hilfe konnten Modellbahner ihre Anlagen multifunktional und wirklichkeitsgetreu einrichten. Dies machte sie seinerzeit sehr beliebt.

Zu den bei Eheim produzierten Zubehörteilen für Modellanlagen gehörte seit 1962 auch eine Kreiselpumpe. Mit ihrer Hilfe konnten Springbrunnen auf der Anlage mit echtem Wasser in Betrieb genommen werden. Aufgrund ihrer zuverlässigen Technik wurde die Pumpe bald aber auch in der Medizintechnik und für Laborgeräte eingesetzt.

Aus dieser Kreiselpumpe, ergänzt durch einen Reinigungsbehälter entstand 1963 der Eheim-Saugfilter für Aquarien, zur Reinigung des Wassers. Heute sind Aquarienpumpen der Firma Eheim ein weltweit verbreitetes Produkt. Aufgrund der steigenden Nachfrage wurde 1956 der Firmensitz nach Deizisau verlegt.

Die Produktion von technischem Spielzeug wurde angesichts dieses Spartenwechsels weitgehend aufgegeben und 1970 ganz eingestellt. Allerdings übernahm die 1948 von Artur Braun in Waiblingen gegründete Firma BRAWA (heute in Remshalden) schon 1963 einen Teil der Modellbausparte. Sie stellte bis 2000 Trolley-Busse her; Seilbahnen finden sich bis heute in ihrem Modellbahnzubehörprogramm.

Auch die Herstellung des Funk- und Fernsehturms wurde seinerzeit von Brawa übernommen. Er war dort wohl bis Ende der 1970er Jahre im Programm. Im Brawa Katalog von 1976 wurde der Turm dann nur noch als Funkturm bezeichnet. Zuletzt verzichtete man auch auf den Einbau des Aufzugs.