Objekt des Monats

Februar 2021

Schild der Gasgemeinschaft Esslingen a.N.
Emailliertes Eisenblech
Zweite Hälfte 20. Jahrhundert

(Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 005209)

Werbeschild der Gasgemeinschaft Esslingen a. N. aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Fotografie: Michael Saile

Gas als Beleuchtungsmittel wurde in Esslingen bereits seit 1827 verwendet. Das Fabrikgebäude Kessler, Hübler & Co war sogar die erste Fabrik in Württemberg, die mit Gas beleuchtet wurde. Gas zum Heizen und Kochen, auch in privaten Haushalten, kam jedoch erst Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Gasherde, Gasheizungen, Gasbadeöfen und Gaswaschmaschinen konnten die Esslinger Bürger nun erwerben. Betrieben wurden die Geräte mit Stadtgas, das durch Kohlevergasung vom Gaswerk Esslingen hergestellt wurde. Ein allgemeines Interesse an der Nutzung der Gasgeräte im privaten Haushalt war zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Esslingen durchaus spürbar. Die Anschaffungspreise der Geräte sowie die Preise für das Gas waren jedoch lange Jahre auf einem sehr hohen Niveau. Es war also an der Zeit, mit verschiedenen Werbeaktionen auf die Verwendung von Gas in privaten Haushalten aufmerksam zu machen und so Kunden zu gewinnen.

Zu diesem Zweck wurde am 15. Mai 1934 die Gasgemeinschaft Esslingen a. N. gegründet. Sie war eine Arbeitsgemeinschaft der Stadtwerke, der Flaschner- und Installateur-Innung sowie freier Installateure. Das Hauptziel bestand in der Versorgung der Bevölkerung mit Gasgeräten zu günstigen Kauf- und Zahlungsbedingungen. Hierfür verfügte die Gasgemeinschaft über einen Schauraum, der bereits vor ihrer Gründung vom Gaswerk in der Bahnhofsstraße eingerichtet wurde. Zur weiteren Absatzsteigerung errichtete das Gaswerk eine städtische Lehrküche, die ebenfalls mit dem Start der Gasgemeinschaft in deren Obhut überging. In dieser Lehrküche wurde den potenziellen Kunden gezeigt, wie mit den gasbetriebenen Haushaltsgeräten gekocht, gebacken und eingedünstet werden konnte. Diese Strategie zeigte großen Erfolg, kauften doch die Esslinger Bürger ihre Geräte nicht beim Fachhändler, sondern bei der Gasgemeinschaft. Daneben wurden Werbeanzeigen geschalten, etwa im Adressbuch der Stadt Esslingen. Ab 1935 und somit kurz nach der Gründung der Gasgemeinschaft, tauchen hier Werbungen für die Nutzung von Gas im privaten Haushalt auf.

Auch während des Zweiten Weltkriegs bestand die Gasgemeinschaft. Durch den immer wiederkehrenden Kohlemangel in der Stadt, kam die Produktion in den Nachkriegsjahren zeitweise jedoch zum Erliegen. Werbung für Gasgeräte in privaten Haushalten, war daher in dieser Zeit nicht gefragt. Dies änderte sich erst wieder 1949. Mit der Reaktivierung der Gasgemeinschaft am 17. Januar durch den Stadtrat, sollte die jahrelang vernachlässigte Gaswerbung wieder stärker in den Mittelpunkt rücken und der Gasabsatz gesteigert werden. Um wieder Konkurrenzfähig gegenüber der Elektrizität zu werden, griff die Gasgemeinschaft 1957 auf das Erfolgsrezept aus den Anfangsjahren zurück. In der Oberen Metzgerstraße wurden daraufhin Ausstellungsräume mitsamt einer Gaslehrküche eingerichtet. Neben der Werbung und dem Absatz von Gasgeräten, bestand eine weitere Aufgabe der Gasgemeinschaft in der Weiterbildung ihrer Mitglieder in Kursen und Vorträgen. Mitglieder waren dabei nicht die Kunden, sondern die Installateure und Flaschner. Die „vorteilhaften Teilzahlungsbedingungen“ bekamen zunächst auch nur die Mitglieder der Gasgemeinschaft. Diese konnten mit einem attraktiven Kredit die Gasgeräte bei der Gasgemeinschaft erwerben, mussten sich jedoch dazu verpflichten, diese möglichst schnell anzuschließen. 1959 wurde dieses Prinzip auch auf die privaten Endverbraucher ausgeweitet. Bei einem Zinssatz von 0,5 %, konnten die Kosten für Gasgeräte innerhalb eines Jahres zurückgezahlt werden. Sollte der Kunde die Kosten für das Gerät bereits nach sechs Monaten abbezahlt haben, entfielen die Zinsen. Ob es sich bei dem Schild also für eine Werbeaktion für die Mitglieder der Gasgemeinschaft oder für die Kunden handelt, ist leider nicht klar. Das Finanzierungsmodell der Gasgemeinschaft etablierte sich jedoch in Esslingen und wurde zum vollen Erfolg. Waren 1960 gerade einmal 150 Wohnungen mit Gasheizungen ausgestattet, heizten zehn Jahre später schon 9.000 Haushalte mit Gas.