Objekt des Monats

Oktober 2019

Slany Design, Esslingen:
Thermoskanne „VIVATHERM“
für Firma Leifheit, Nassau/Lahn
Kunststoff, Glas
1980er Jahre

(Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 006504)

Fotografie: Michael Saile

Die Thermoskanne „VIVATHERM“ besteht aus einem silbrig glänzenden, bauchigen Kunststoffgehäuse und einem Glaseinsatz. Der konische Deckel ist kreisförmig abgetreppt und endet in einem Knauf. Er besitzt einen Ausgießmechanismus, der mit einem Druckhebel bedient wird. Die Kanne war u.a. auch in den Farben Weiß, Blau und Rot erhältlich. Hergestellt hat sie der Haushaltsgerätehersteller Leifheit aus Nassau an der Lahn. Den Entwurf erstellte der in Esslingen lebende Designer Professor Hans Erich Slany (1926-2013).

Slany wurde in Böhmisch-Wiesenthal (heute: Loučná pod Klínovcem) im tschechischen Erzgebirge geboren. Er besuchte seit 1941 die Staatsgewerbeschule in Eger (heute: Cheb), eine Ingenieurschule für Maschinenbau. Wegen seiner Einberufung zum Kriegsdienst 1944 konnte er dort aber die Ausbildung nicht abschliessen. Nach Kriegsende gelangte er über München und Nürnberg nach Ulm, wo er in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet. Schließlich kam er nach Esslingen und beendete hier 1948 sein Studium an der Maschinenbauschule.

Anschließend arbeitete Hans Erich Slany als Entwicklungsingenieur für Aluminium Ritter.Schon 1953 unterhielt er Kontakte zur Hochschule für Gestaltung in Ulm. Aufsehen erregte das von ihm für Ritter entwickelte Geschirrprogramm, das 1957 auf der Triennale in Mailand vorgestellt wurde. Seine nächste Station war 1954 die Styling-Abteilung von Daimler-Benz, wo er in der Karrosserieentwicklung tätig war und an der Konstruktion des legendären Flügeltürers 300 SL Roadster mitwirkte. Gleichzeitig arbeitete er weiterhin freiberuflich als Designer für die Firma Ritter.

Der große Erfolg des von ihm entworfenen Geschirrprogrammes führte schließlich dazu, dass Hans Erich Slany seit dem 1. März 1956 ein eigenes Designbüro in Esslingen betrieb, das eines der ersten in der Bundesrepublik war. Hier entstanden nicht nur Entwürfe für Industriemaschinen und Werkzeuge sondern vor allem Konsumgüter des täglichen Bedarfs und Haushaltsartikel. Viele dieser Produkte gelten noch heute als Designikonen ihrer jeweiligen Zeit und fehlten damals in kaum einem Haushalt, wie beispielsweise der Teppichkehrer „rotaro“ (seit 1960) oder der „Sicomatic“ Schnellkochtopf von 1974. Im Lauf seiner Berufstätigkeit arbeitete Hans Erich Slany für zahllose Firmen, u.a. Bosch, Weishaupt oder Leitz, und erhielt über 900 Auszeichnungen.

Nach und nach wuchs die Firma und es wurden Mitarbeiter eingestellt, deren Stamm durch freie Mitarbeiter ergänzt wurde. Der Erfolg seines Gestaltungsbüros führte zu steigender Kundennachfrage und der Umwandlung des Unternehmens in eine GmbH 1986. Aus ihr schied Hans Erich Slany 1997 aus. Das von ihm gegründete Designbüro existiert bis heute, mittlerweile unter dem Namen TEAMS Design. 1965 unterstützte Hans Erich Slany die Gründung der op-art-Galerie in Esslingen. Auch gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des „Verbands Deutscher Industrie Designer e. V.“ (VDID). Von 1983 an war er Lehrbeauftragter (seit 1985 Honorarprofessor) an der Hochschule der Künste, Berlin; seit 1986 auch Begründer und Leiter des Studiengangs Investitionsgüterdesign an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart.

Seine Ausbildung als Designer erhielt Hans Erich Slany bei Heinrich Löffelhardt. Sein Gestaltungsziel war die Verbindung von Technik und Funktionalität mit einem „ansprechenden Äußeren“. Gute Gestaltung war für ihn ein wesentliches Qualitätsmerkmal, das er in allen Bereichen der Konsum- und Investitionsgüterindustrie anwand, da er der Ansicht war, dass sich optisch ansprechende Produkte in allen Bereichen besser verkaufen ließen. Eine Meinung, die bis in die 1980er Jahre v.a. beim Industriedesign, noch wenig verbreitet war. Seine Grundsätze für gut designte Produkte waren darüber hinaus „Zeitlosigkeit“, „Funktion“, Einpassung in das Corporate Design des Herstellers, Ergonomie und gute Bedienbarkeit, „rationelle und wirtschaftliche Fertigung“ und die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Menschen, die sie verwenden sollten.