Objekt des Monats

Mai 2019


Seifenfabrik Friedrich Gruner
Grunella-"Seifenmühle"
2. Hälfte 20. Jahrhundert

(Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 005702)

Fotografie: Michael Saile


Am 05. Mai 2019 jährt sich zum elften Mal der Welttag der Handhygiene. Welcher „Historische Schatz" könnte daher in diesem Monat geeigneter sein als eine Seifenmühle aus dem Hause Gruner.

Bereits 1805 setzte Jakob Friedrich Gruner in Calw den Grundstein des Unternehmens. Etwa 50 Jahre später verlegte sein Sohn den väterlichen Betrieb in die damals aufblühende Industriestadt Esslingen.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte Gruner sich dann auch international einen Namen. Das aufstrebende Unternehmen erhielt Auszeichnungen bei Weltausstellungen wie in Paris 1867 und Moskau 1872. Damals zog das Unternehmen von der Milchstraße 2 in ein neues großes Fabrikanwesen in die städtebaulich neu erschlossene Pliensauvorstadt auf der anderen Neckarseite. Die Friedrich Gruner „Seifenfabrik und Oelhandlung" befand sich fortan in der Nellingerstraße 8.

Ein bedeutender Meilenstein in der Unternehmensgeschichte war das im Jahr 1905 erfundene Gruner Waschmittel. Es gilt als das erste selbsttätige Waschmittel der Welt – und das bereits zwei Jahre vor dem Waschmittelklassiker PERSIL! Auch in Russland und Asien fanden die Produkte aus dem Hause Gruner reißenden Absatz. Aber nicht nur Seifen befanden sich im Sortiment von Gruner. Selbst „Dr. Heiners antiseptische Wundsalbe" war ein bedeutendes Produkt des Hauses. Bis 1972 bestand die Firma Gruner, dann fusionierte sie mit Enzian in Metzingen. Erst vor wenigen Jahren beendete auch dieses Unternehmen seinen Betrieb.
Die Grunella Seifenmühle selbst wurde 1952 unter dem damaligen Gruner-Chef Walter Scherieble entwickelt. Schnell stieg die Nachfrage des Seifenspenders und er war seither jahrzehntelang auf vielen bundesdeutschen Toiletten zu finden. Sie gelangte aber auch zu weit über die deutschen Grenzen hinausragendem Ruhm. Der spektakulärste Geschäftspartner war ein arabischer Scheich, der die Seifenmühle bei einem Stuttgarter Automobilkonzern sah und davon so begeistert  war, dass er gleich einige Seifenmühlen bestellte. Dabei handelte sich um Einzelstücke, die eigens für ihn vergoldet wurden.

Die vorliegende Seifenmühle besteht aus drei Teilen: Der etwa 19cm hohe Seifenspender ist aus verchromtem Gussmetall hergestellt. Der obere Teil ist zylinderförmig und dient zur Aufnahme der ebenfalls zylindrisch geformten Trockenseife. Unten befindet sich eine Kurbel aus schwarzem Kunststoff, mit der die Seife gemahlen wird. Das Rohr lässt sich mit einem Deckel verschliessen. An ihm hängt eine Kette mit einem Gewicht, das die Seife nach unten drückt. Das Innere der Seifenmühle bezeugt die häufige Nutzung des Gerätes: Es befinden sich noch immer Seifenreste darin. Die Mühle konnte mit vier Schrauben an der Wand befestigt werden. Zur Befestigung diente eine Blende aus Kunststoff, die wiederum schwarz ist. Darauf klebt ein ebenfalls schwarzer Aufkleber mit weißer Schrift, der über die Produktbezeichnung und den Hersteller aufklärt. Die gezeigte Seifenmühle tat ihre Dienste in einer Allgemeinarztpraxis. Dort hing sie seit etwa 1970. Spätestens seit 2000 wurde sie dort nicht mehr verwendet. Die Anforderungen an die medzinische Handhygiene hatten sich doch zu sehr geändert. Schließlich wurde sie während einer Renovierung abmontiert und kam als Geschenk in den Besitz des Stadtmuseums.

Auch wenn die Firma Gruner nicht mehr existiert, ist dieser Klassiker noch heute erhältlich. Bis zu ihrem Produktionsende vertrieb die Seifenfabrik Enzian den Produktstamm um Grunella weiter. 2011 übernahm die Firma Sapor aus dem Ruhrgebiet den Designklassiker. Dort kostet die Seifenmühle stolze 120 €. Beschrieben wird die Grunella Seifenmühle mit den drei Worten: langlebig – umweltfreundlich – kinderleicht.


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