Objekt des Monats

Juli 2020

Lothar Meggendorfer:
Lebendes Affentheater
Verlag J. F. Schreiber
1902

(J. F. Schreiber-Museum, JFS 001507)

Das Bild zeigt Titelseite des beweglichen Bilderbuches "Lebendes Affentheater" von Lothar Meggendorfer

Die Affenkapelle ist zweifelsohne einer der Höhepunkte des J.F. Schreiber-Museums im Salemer Pfleghof. Sie spielt jedem, der das Museum besucht, –sofern er den Aufzug benutzt – ein Begrüßungsständchen.
Dieses ungewöhnliche musikalische Trio kommt nicht von ungefähr. Es stammt aus einem Buch des Verlags J. F. Schreiber: „Lebendes Affentheater. Ziehbilderbuch von L. Meggendorfer“. Seit 1893 wurde das Buch mehrmals aufgelegt. Es erschien nicht nur auf Deutsch, sondern auch in englischer und französischer Sprache. In einfachen Paarreimen wird aus dem Alltagsleben einiger Zirkusaffen und weiterer Zirkustiere berichtet. Auf eine Textseite folgt eine Seite mit einer vielfarbigen Illustration.
Als Erzähler tritt der Zirkusdirektor auf, der über acht Szenen berichtet. Die liebevoll gestalteten Illustrationen verwandeln sich mit einen für die damalige Zeit besonderen Clou zum Leben. Mithilfe von Papierschiebern lassen sich die Tiere seitlich bewegen. Hinter den Illustrationen verbergen sich ausgeklügelte Papiermechaniken, welche die Bewegung bewerkstelligen. Den Auftakt der Geschichten bildet ein „Gastmahl“, bei dem die Affen in verschiedenen Kostümierungen auftreten. Dort geht es wild zu. Es wird um das Essen gestritten. Die Teller werden abgeleckt. Der Affenkoch genehmigt sich Wein direkt aus der Flasche. Die nachfolgende Szene zeigt zwei Affen als Herr und Dame verkleidet hoch zu Ross. Danach folgt eine dressierte Ziege mitsamt ihrem Dompteur. Das anschließende „Menuett“ zeigt zwei kostümierte Hunde, die aufrecht auf zwei Beinen miteinander tanzen. Begleitet werden sie von der Affenkapelle. Danach folgen ein Braunbär, ein Schaf und ein Schwein, die gemeinsam auf einer Wippe schaukeln. Im Anschluss spielen zwei Affen eine kämpferische Szene an einem Vorposten. Der Zirkuselefant Bimbambo hingegen hat Gefallen an Wein gefunden. Eine Zirkusdame schenkt ihm ein Glas nach dem anderen ein. Den Abschluss macht wiederum eine Affentruppe. Ein Affe als Madame Pompadour wird von zwei Dieneraffen in einer Sänfte chauffiert. Daneben bettelt ein weiterer Affe mit einem großen Zylinder um Geld.
Lothar Meggendorfer (1847-1925) galt als einer der witzigsten und einfallsreichsten Schöpfer von beweglichen Bilderbüchern. Bereits im Alter von 15 Jahren begann er sein Kunststudium an der Königlichen Akademie München. Erste Bekanntheit erlangte er als Mitarbeiter der „Fliegenden Blätter“ und „Münchner Bilderbogen“. Schon bald veröffentlichte er seine „Meggendorfer-Blätter“ – eine damals beliebte Satirezeitschrift.
Der Weg zu den Bilderbüchern wurde ihm durch seine Familie geebnet. Meggendorfer war sechsfacher Vater. Sein erstes bewegtes Bilderbuch bastelte er mit 31 Jahren für seinen Sohn. Es sollten noch einige weitere Bilderbücher folgen. Diese besondere Art von Bilderbüchern erschienen hauptsächlich beim Verlag J.F. Schreiber, der eine Zweigstelle in Meggendorfers Heimat München eröffnete. Die Zusammenarbeit, die 1884 begann, war sowohl für Meggendorfer als auch den Esslinger Verlag sehr fruchtbar.
Lothar Meggendorfer hinterließ mit seinem Werk Spuren, die heute noch erkennbar sind. Für die modernen „Papier-Ingenieure“ ist er ein großes Vorbild geblieben. Das liegt neben seiner prächtigen Illustrationen vor allem an seinen ausgefeilten Papiermechaniken. Auch heute sind bewegte Bilderbücher sehr beliebt. Neben den alten Klassikern, die gefragte Sammlerstücke sind, gibt es auch komplette Neuerscheinungen. Sie werden heute allerdings Pop-Up-Bücher genannt. Besonders beliebt sind die Bücher in den USA, wo jährlich mehrere hunderte neue Titel erscheinen. Dort wird von der Movable Book Society auch heute noch regelmäßig der Meggendorfer Prize für besonders gelungene Bücher verliehen.


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Info

Wechselausstellungen

Viele Teile, eine Stadt! Gemeinsam Stadt(teil)geschichten entdecken

Plakat des Projektes "Viele Teile, eine Stadt" mit einem schematischen Stadtplan mit eingezeichneten Stadtteilen

Ausstellung im Stadtmuseum im Gelben Haus
16. Mai bis 11. Oktober 2020

Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Streng geheim! Detektive, Geheimagenten & Spione

Plakat der Ausstellung

Ausstellung im Museum im Schwörhaus - Wechselausstellungen J. F. Schreiber-Museum
28. Mai bis 11. Oktober 2020

Öffnung der Städtischen Museen:

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Das Stadtmuseum im Gelben Haus und die Mitmach-Ausstellung „Streng geheim!“ im Museum im Schwörhaus sind geöffnet.
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